Liebe Mitglieder von NetzG,

diese Rubrik „Gedenken“ führen wir ein um verdienten Menschen der Selbsthilfe ein ehrendes Andenken zu bewahren.
Sie zeigt Aktive, die die Bewegung der Selbsthilfe gefördert und vorangetrieben haben.
Diese Menschen sollen nicht einfach vergessen werden.

Wir gedenken ihnen mit großem Respekt für ihre Leistungen.
Manfred Schneider
Vorsitzender

 



27.01.2022 Holocaust-Gedenktag bei der Rheinhessen-Fachklinik

An der Veranstaltung nahmen von NetzG-RLP e.V. der erste Vorsitzende Manfred Schneider und der Schriftführer Christan Waas teil.

Der Zeitungsartikel kann hier geöffnet werden.


Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Liebe Leser*innen des Inklusionsnewsletters,


nach einiger Zeit melde ich mich wieder mit einer neuen Ausgabe des Inklusionsnewsletters bei Ihnen. Vieles ist in den letzten Monaten passiert und auch, wenn 2022 schon einige Tage alt ist, wünsche ich Ihnen ein gutes neues Jahr mit viel Glück und vor allem auch Gesundheit. Mögen Sie alles schaffen, was Sie sich vorgenommen haben.


Heute schreibe ich Ihnen an einem besonderen Datum: Heute ist der 27. Januar 2022, der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Wir gedenken an diesem Tag der vielen Opfer, unter denen auch mehrere hunderttausende Kinder, Männer und Frauen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen waren: Im Zuge der sogenannten Aktion T4 wurden mehr als 70.000 Morde an Patient*innen aus Heil- und Pflegeanstalten verübt. Insgesamt wurden in psychiatrischen Einrichtungen des Deutschen Reichs 200.000 Menschen in verdeckten Aktionen ermordet. Sie wurden vergast oder durch Medikamente getötet. An ihnen wurden entsetzliche medizinische Versuche verübt. Und sie wurden „Hungerbehandlungen“ unterzogen. Der Umfang des Zynismus, der Kaltblütigkeit und der Menschenverachtung ist nicht zu fassen: alles aus Sicht der Nationalsozialisten „Lebensunwerte“ sollte vernichtet werden. Europaweit gehen wir von 300.000 Tötungen aus. Hinzu kommen 400.000 Opfer von Zwangssterilisierungen.


Diesem Gedenken muss in Zukunft ein deutlich höherer Stellenwert gegeben werden. Die Opfer dieser Morde und der Zwangssterilisation müssen endlich offiziell als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt werden. Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung lässt hoffen, denn er verspricht genau dies. Ich werde mich dafür einsetzen, dass dieser überfällige Schritt rasch vollzogen wird.
Denn eines ist klar: Ein Tag des Gedenkens lässt uns nicht nur zurückblicken. Er ist immer auch Mahnung für das Heute und Morgen. Wir müssen und wollen aus dem Geschehenen Lehren für unser heutiges Leben ziehen. Wenn wir beispielsweise falsche Bilder und Vorurteile, die oftmals noch verbreitet sind über Menschen mit Behinderungen, wahrnehmen. Oder wenn sie verächtlich gemacht werden in sozialen Netzwerken. Auch heute sind Menschen mit Behinderungen noch überproportional häufig von struktureller Abhängigkeit und insbesondere Frauen mit Behinderungen von Gewalt betroffen. Hier müssen wir achtsam sein, hinschauen und handeln.


Leider lässt die Pandemielage uns auch heute nicht zum gemeinsamen Gedenken zusammenkommen. Wir müssen angesichts der aktuellen Infektionszahlen weiter vorsichtig sein und Kontakte vermeiden. Daher sende ich Ihnen, wie auch im letzten Jahr, eine Videobotschaft.
In diesem Video kommen auch zwei Kulturvermittlerinnen aus der Gedenkstätte Brandenburg an der Havel zu Wort. Sie werden aus einem berührenden Buch lesen: „Die Hempelsche“ von Elvira Manthey. Das Buch von Elvira Manthey ist ein Zeitzeugenbericht der im Jahr 1931 geborenen Frau. In der Anstalt in Brandenburg an der Havel wurden zwischen Januar und Oktober 1940 etwa 9.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen im Rahmen der so genannten „T4-Aktion“ ermordet. Nur 32 überlebten dieses Martyrium. Eine davon war Elvira Manthey. Aufgrund ihrer sozial schwachen Herkunft wuchs Elvira Manthey in Kinderheimen auf. Sie wurde von damaligen Entscheidungsträgern pathologisiert und kam so nach Brandenburg an der Havel. Sie beschreibt in ihrem Buch sehr eindrücklich das barbarische Verhalten von Pflegenden und Mediziner*innen.


Ansonsten erlauben Sie mir zum Ende noch kurz auf meine erneute Berufung zum Behindertenbeauftragten der Bundesregierung für die 20. Legislaturperiode einzugehen. Ich freue mich sehr über das entgegengebrachte Vertrauen des Bundeskabinetts und insbesondere von Bundesminister Hubertus Heil. Sie können sicher sein, dass ich mich auch weiterhin mit aller Kraft für Ihre Belange, die Belange von Menschen mit Behinderungen, einsetzen werde.


Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit!
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Jürgen Dusel

 


Gedenken an jüdische Opfer Bundesweiter Gedenktag am 27. Januar 2021 im Pfalzklinikum

Klingenmünster. Am 27. Januar 2021 fand der bundesweite Gedenktag für die Opfer der NS-Psychiatrie im Pfalzklinikum statt - wenn auch auf andere Art als in den Vorjahren. Zur Kranzniederlegung an der Gedenkstätte des Hauses am Standort Klingenmünster waren keine Gäste und nur ein kleiner interner Kreis zugelassen. Im sicheren Abstand und ausgestattet mit FFP2-Masken gedachten Rita Becker-Scharwatz, geschäftsführendes Mitglied des Gedenkausschusses des Pfalzklinikums, Andreas Dietz, Mitarbeiter der Gedenkarbeit, Karin Römer, Psychiatrie-Erfahrene, Paul Bomke, Pfalzklinikum-Geschäftsführer, und Bernhard Dobbe, Personalratsvorsitzender, der Opfer. Rita Becker-Scharwatz betonte den Fokus des diesjährigen Gedenktages: „Im Pfalzklinikum zählten 19 jüdische Patientinnen und Patienten zu den Opfern der NS-Euthanasie. Wir begehen diesen Tag, um ihnen und weiteren Opfern zu gedenken und an sie zu erinnern - damit die Verfolgung von Menschen niemals mehr passiert und das Gefühl des Unbegreiflichen niemals vergessen wird. Gerade in einer Zeit, in der sich die Sprachkultur in der Politik verändert und Hass und Diskriminierung eine schnelle Verbreitung im Internet erleben, ist Gedenken erforderlich.“
Karin Römer beschäftigte sich besonders mit der Verbindung aus NS-Zeit und ihrer psychischen Erkrankung und ging der Frage nach, ob es ein lebensunwertes Leben gibt. Sie führte aus: „Ich selbst als Psychisch Kranke hätte die NS-Zeit nicht überlebt. Daher ist der 27. Januar ein besonderer Tag, der Tag der Befreiung, an dem ich wieder hätte leben dürfen. Leben, was heißt das? Selbstbestimmt handeln, an der Gesellschaft teilhaben und mehr. Aus meiner Sicht gibt es kein lebensunwertes Leben, jeder Mensch hat das Recht zu leben. Mit meinem Beitrag möchte ich zum Nachdenken anregen.“
Das Patientenradio des Hauses, der Peilsender, strahlte am 27. Januar und 28. Januar 2021 jeweils um 14 und 17 Uhr auf der Frequenz 87,9 MHz und im Internet unter peilsender.radio.de Beiträge von Theo Wieder, Bezirkstagsvorsitzender und Verwaltungsratsvorsitzender des Pfalzklinikums, Paul Bomke, Rita Becker-Scharwatz, Karin Römer, Christoph Bevier, Evangelische Klinikseelsorge, Silke Kessler, Katholische Klinikseelsorge und Andreas Dietz aus. Auch Roland Paul, Historiker, lieferte einen Radiovortrag zum Schicksal jüdischer Patienten der früheren Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster.
 
Interessierte können ab sofort ein Video der Kranzniederlegung mit Worten von Rita Becker-Scharwatz und Karin Römer unter: https://youtu.be/CTsel6PwwGM, bei Facebook und auf der Homepage des Hauses ansehen. Die Radiobeiträge der Verantwortlichen finden sich ebenfalls auf der Pfalzklinikum-Homepage.


Passend dazu eine kurze Ansprache von Karin Römer, die man hier nachlesen kann.

 


27.01.2020 Kranzniederlegung in Andernach

Mit einem Gottesdienst und einer Kranzniederlegung gedachte die Stadt Andernach,  die Rhein- Mosel-Fachklinik Andernach und NetzG RLP e.V. am Montag, 27. Januar, der Opfer von  Euthanasie und von nationalsozialistischer Gewaltherrschaft. Los ging es mit einem ökumenischen Gottesdienst um 14:00 Uhr in der Kapelle St. Thomas auf dem Klinikgelände. Für den sich  anschließenden Transport zum Mahnmal "Spiegelcontainer" in der Andernacher Innenstadt sorgte  ein Bustransfer. 

 

Nach einer kurzen Ansprache seitens des ärztlichen Direktors der Rhein-Mosel-Fachklinik  Andernach, Herrn Dr.  med. Ingo Weisker, legten wir am „Spiegelcontainer“ zum Gedenken an die  Opfer von Euthanasie und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft für NetzG RLP e.V. einen Kranz nieder.

 

Das Mahnmal erinnert an die mehr als 1800 Menschen, die zwischen 1941 und 1944 über die  damalige Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Andernach zur Tötung nach Hadamar gebracht oder deportiert wurden.

Resi Limbach
Jörg Franz